10.000.000,- | Stammkapital (in Schilling) der Künstlerhaus-Ges.m.b.H. (1985)

Die Künstleraus-Ges.m.b.H.

„Das Künstlerhaus kann nie ein Kommerzbetrieb sein! Es ist nicht geeignet für kommerzielle Experimente (…)“ Aus: Öffentlicher Aufruf, August 1977

1950 dachte der Programmchef des Kinos, Leopold Hauer, bereits daran, das Filmtheater Künstlerhaus als eigenständige Einrichtung zu führen. Dies wurde abgelehnt, der Kinobetrieb blieb Teil des Künstlerhausbetriebs. Aufgrund von Abgrenzungsproblemen zwischen Kinobetrieb und Gesellschaft und wegen der drohenden Gefahr der Aberkennung der Gemeinnützigkeit war 1960 erneut die Gründung einer eigenen Betriebsgesellschaft im Gespräch. Das Kino sollte aus dem Gesamtbetrieb herausgelöst und eine Ges.m.b.H. geschaffen werden mit dem Leitenden Ausschuss in der Funktion des Aufsichtsrates. 1976 beabsichtigte man die Gründung einer Ausstellungsgesellschaft sowie einer Betriebsgesellschaft für den Aus- bzw. Umbau des Hauses.

Schließlich wurde am 13. März 1985 die Künstlerhaus-Gesellschaft m.b.H. gegründet, unter anderem um die Mitglieder des Vereins vor hohen finanziellen Risiken und Haftungen abzusichern. Denn das Bilanzvolumen des Vereins war von 6 Millionen Schilling 1975 auf 27 Millionen Schilling 1984 angestiegen. Das allein motivierte jedoch nicht die Gründung, Anreiz war auch die Idee, sich als Unternehmen aufzustellen, um mit potenziellen Partnern in Verhandlungen treten zu können.

Das Stammkapital zur Gründung der Ges.m.b.H. betrug zunächst 5 Millionen Schilling. Zusätzlich wurden Kunstwerke aus den Beständen des Hauses eingebracht, die der Verein der Ges.m.b.H. zum Pauschalpreis von 2,5 Millionen Schilling verkauft hatte. Die Organisationsform der Betriebsgesellschaft erlaubte es Hans Mayr, der Geschäftsführer der Ges.m.b.H. und Präsident des Vereins in Personalunion war, wesentliche inhaltliche und finanzielle Entscheidungen ohne vorherige Mitgliederbefragung zu treffen. Die Künstlerhaus-Gesellschaft m.b.H. übernahm ab ihrer Gründung alle wirtschaftlichen Aktivitäten des Vereins. Dieser überließ der Ges.m.b.H. die Nutzung des Hauses mit allen kommerziellen Einrichtungen zu einem Betrag von 500.000 Schilling pro Jahr. Schulden in Höhe von 7 Millionen Schilling verblieben allerdings beim Verein. Dieser war weiterhin alleiniger Eigentümer des Gebäudes und damit auch für dessen Sanierung zuständig. 1987, im Zuge der Verschlechterung der Liquidität der Ges.m.b.H., machte Mayr den Vorschlag, die Kunstwerke des Unternehmens um etwa 3 bis 3,5 Millionen Schilling zu veräußern. Der Antrag wurde genehmigt und die Kunstwerke in der Folge verkauft.

Von Anfang an dachte man auch daran, Anteile der Ges.m.b.H. an weitere Partner abzugeben. Die Stadt Wien schloss eine Beteiligung an der Betriebsgesellschaft von vorneherein aus. Das Kunsthistorische Museum (nun seinerseits von der Kulturmanagement Beratungsgesellschaft m.b.H. vertreten) zeigte zunächst Interesse. Da jedoch keine Einigkeit über die Höhe der Anteile und die zu zahlende Summe erzielt werden konnte, wurde das Vorhaben verworfen. 1993 stellte man die Suche nach neuen Anteilseignern ein. 1996 fand – aufgrund zunehmender Kritik – das „Parallelleben“ von Ges.m.b.H. und Verein ein Ende.

Im Jahr 2000 verfolgte man die Idee der Gründung einer Stiftung, und die C/O/N/E/C/T/A Gesellschaft für Organisationsberatung wurde mit der Ausarbeitung entsprechender Grundlagen beauftragt. In die Stiftung sollten neben einer Million Schilling Barvermögen das Gebäude und die Beteiligung an der Künstlerhaus-Ges.m.b.H. eingebracht werden. Die Idee wurde nicht umgesetzt.

Quellen: Gedächtnisprotokoll Betreff: Brief des Herrn Prof. Hauer, 19.12.1951; Protokolle über Sitzungen des Leitenden Ausschusses, 25.01.1960; 20.09.1960 und 07.04.1976; Protokoll zur Ordentlichen Hauptversammlung, 18.09.1984; Protokolle der Sitzung des Vorstands der Gesellschaft bildender Künstler Österreichs, 13.02.1985 und 20.03.1985; Geschäftsbericht für das Geschäftsjahr 1985 der „Künstlerhaus Gesellschaft m.b.H.“, 12.06.1986; Protokoll über die 1. Sitzung des Aufsichtsrats der Künstlerhaus Gesellschaft mit beschränkter Haftung, 11.11.1987; Protokoll der Sitzung des Vorstands der Gesellschaft bildender Künstler Österreichs, 20.07.1992 und 26.05.1993; Information, aufgenommen in der Kanzlei der Rechtsanwälte Schuppich, Sporn, Winischhofer, 24.06.1992; Protokolle der Vorstandssitzungen, 06.10.1994 und 15.12.1994; Protokoll der Ordentlichen Hauptversammlung, 09.12.1996; C/O/N/E/C/T/A, Konzept über ein neues k/haus-Managementmodell Verein/Stiftung/GmbH, 30.03.2000; Gespräch mit Peter Bogner, 08.04.2014
Hausakten, Ausgleich, 1977, Karton: 6: Künstlerhaus Gesellschaft bildender Künstler, Rechnung an Künstlerhaus Gesellschaft mbH, Nr. 47/85, 20.03.1985; Diskussion um das Wiener Künstlerhaus, gesendet in: ö1 Morgenjournal, 11. März 1992
Aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes wurde auf die Angabe von Namen verzichtet und nur das Dokument vermerkt. Alle Quellen stammen aus dem Archiv des Künstlerhauses.

Bankkarten (Verein der Gesellschaft bildender Künstler Österreichs und Künstlerhaus-Ges.m.b.H.), 1985
Bankkarten (Verein der Gesellschaft bildender Künstler Österreichs und Künstlerhaus-Ges.m.b.H.), 1985