600,- | Herstellungskosten (in Schilling) eines Werbedias und Schaltung im Künstlerhaus-Filmtheater (1949)

Kooperationen mit Unternehmen

„Gegen diese Massnahme sehe ich mich veranlasst zu protestieren, weil ich ausstelle, um für meine Erzeugnisse Reklame zu machen und gerade der Umstand, dass sich die Besucher meine Adresskarte mitnehmen können, erscheint mir wichtig, da es nicht üblich ist, dass diese sich eine Adresse notieren, umsomehr da meine Firmenanschrift dort ungünstig placiert ist und kaum bemerkt wird.“ Aus: Schreiben an die Genossenschaft, 19.6.1930

Unter dem Eindruck prekärer finanzieller Verhältnisse gab es immer wieder Versuche einer engeren Zusammenarbeit mit Unternehmen. 1919 schlug etwa die Erzgießerei und Metallwarenfabriks-Aktiengesellschaft vor, von Bildhauern entworfene Modelle auf ihre Kosten herstellen zu lassen und diese den Künstlern dann für Ausstellungszwecke zu überlassen. Falls die Plastiken nicht verkauft würden, war die Firma bereit, sie wie der zurückzunehmen und für einen späteren Verkauf zu sorgen. Unstimmigkeiten bezüglich der Platzierung des Partners in den hauseigenen Werbemedien und generell bei der Öffentlichkeitsarbeit ließen das Vorhaben scheitern.

Im September 1922 schloss die Genossenschaft mit der Firma E.K. Gradinger Verkaufsagentur eine Vereinbarung zu künstlerischen Werken von Mitgliedern des Künstlerhauses. Die Abmachung sah Verkäufe aus der Ausstellung an Gradinger vor und räumte der Firma die Option ein, die Werke später gewinnbringend weiterzuverkaufen. Auch wurde eine Vorabpräsentation jeweils 24 Stunden vor Ausstellungseröffnung vereinbart. Die Zusammenarbeit mit der Agentur war von Konflikten geprägt, da diese ihre Geschäfte nicht transparent machte. Sie bestand bis November 1923, dann wurde Gradingers Büro im Künstlerhaus aufgelöst. Nichtsdestotrotz profitierten viele Mitglieder vor allem von Gradingers Auslandskontakten nach Großbritannien und in die Vereinigten Staaten.

Ein Beispiel für eine inhaltliche Kooperation zwischen Unternehmern und Künstlern auf Augenhöhe ist die Ausstellung Buch und Raum der Gegenwart von 1930. Sie war ein großer Erfolg und brachte eine Entlastung der Genossenschaft in einer schweren finanziellen Krise. Neben Einzelobjekten und Architekturprojekten aus dem In- und Ausland zeigte sie 27 von Architekten gestaltete Interieurs, unter anderem ein Junggesellenzimmer, ein Zimmer für die „schaffende Frau“, eine moderne Küche mit Vorraum, einen Empfangsraum, einen Teesalon, ein Speisezimmer, Wohnzimmer, Schlafzimmer, eine Bibliothek und eine Veranda mit Wintergarten. Außerdem waren die in Betrieb befindlichen Arbeitsstätten eines Buchbinders und eines Buchdruckers zu sehen.

Die Ausstellung reagierte unmittelbar auf gesellschaftliche Veränderungen und die wirtschaftliche Not der Zeit, indem sie die Verwendung einfacher Materialien, die Schlichtheit der Gestaltung propagierte und Repräsentationsvorstellungen vergangener Tage eine Absage erteilte. Die Räume wurden in enger Zusammenarbeit mit Tischlern, Tapezierern sowie verschiedenen anderen in der Innendekoration tätigen Gewerben gestaltet. Im Katalog waren Entwerfer und Ausführende gleichwertig genannt. Trotz der so gelungenen Zusammenarbeit auf Augenhöhe, kam es zu einem Konflikt mit den Firmen, die an der Ausgestaltung der Interieurs mitgewirkt hatten: Diese wollten in der Ausstellung ihre Geschäftskarten auslegen und Reklame machen. Letztlich wurde dem Anliegen nacheinigen Sondersitzungen und längeren Diskussionen über das Für und Wider kommerzieller Aktivitäten stattgegeben – mit der Auflage, für die Karten ein einheitliches Format zu wählen und lediglich Firmenname, Gewerbe, Adresse und Telefonnummer anzugeben.

Zu einer längerfristigen Zusammenarbeit kam es mit der Firma O.H.G. Dipl. Ing. G. Knapp & R. Nuske, einer Werbegesellschaft, die 1948 den Auftrag für die jährliche Produktion von Diapositiv-Reklame im Künstlerhaus-Kino erhielt. Die Werbedias fertigten die Mitglieder des Hauses an und kennzeichneten sie mit eigenem Namen oder Pseudonym. 50 Prozent der Einnahmen gingen an die Firma O.H.G. Dipl. Ing. G. Knapp & R. Nuske, 50 Prozent an die Gesellschaft bildender Künstler Wiens. Ziel der Kooperation war es unter anderem, das künstlerische Niveau der Werbung insgesamt zu heben. Von Seiten der Firma wurde allerdings bald die Wirksamkeit der künstlerischen Gestaltung infrage gestellt.

Quellen: Protokoll der Ausschuss-Sitzung, 18.02.1919; Protokolle der Ausschuss-Sitzungen, 26.09.1922; 06.02.1923; 10.02.1923; 08.05.1923; 24.10.1923; 05.11.1923; 14.11.1923; 20.11.1923, 26.11.1923; Sitzungen (zu Geschäftskarten), 23.06.1930 und 18.07.1930; Ausstellungen, Briefe zum Thema „Geschäftskarte“ (A. Ungethüm, S. Járay, A. Pospischil und vom KH), Buch und Raum der Gegenwart, 1930, Karton: 116; Buch und Raum der Gegenwart, Ausst.Kat., Wien 1930; Protokoll der Kino-Sitzung, 26.10.1948; Protokoll der Ausschuss-Sitzung, 03.03.1949
Aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes wurde auf die Angabe von Namen verzichtet und nur das Dokument vermerkt. Alle Quellen stammen aus dem Archiv des Künstlerhauses.

Herbert Pass, Kinowerbung, Vesta, o.J.
Herbert Pass, Diapositiv-Kinowerbung (Entwurf), Vesta, o.J.
Diapositiv-Kinowerbung (Entwurf), R.E. Huppert authorized Studebaker, o.J.
G. Baszel, Diapositiv-Kinowerbung (Entwurf), R.E. Huppert authorized Studebaker, o.J.
Hans Theisz und Siegfried Jaksch, Zimmer der schaffenden Frau, Ausführung, Ludwig Schmitt, in: Künstlerhaus Wien (Hg.), Buch und Raum der Gegenwart, Ausstellungskatalog, Wien 1930
Hans Theisz und Siegfried Jaksch, Zimmer der schaffenden Frau, Ausführung, Ludwig Schmitt, in: Künstlerhaus Wien (Hg.), Buch und Raum der Gegenwart, Ausstellungskatalog, Wien 1930
E. K. Gradinger, Geschäftskarte, Wien 1922
E. K. Gradinger, Geschäftskarte, Wien 1922