2.275.000,- | Mitteleinwerbung (in Euro) durch WINK seit 2004

Wirtschaftsinitiativen

„Wir können und wollen dem weiteren Verfall eines traditionsreichen Kulturgutes, wie es das Künstlerhaus darstellt, nicht tatenlos zusehen …“ Aus: Presseinformation, WINK, 2004

Eine bedeutende Initiative zur Kunstförderung durch die Wirtschaft in der Nachkriegszeit entstand mit dem 1954 gegründeten Institut zur Förderung der Künste in Österreich, einem Kreis von Industriellen um dessen Präsidenten Manfred Mautner Markhof. Vizepräsidenten waren Hans Lauda (Veitscher Magnesit) und Karl Weninger (Österreichisches Credit Institut). Als Rechtsform wählte man die Form des Vereins. Die Gruppe von fünfzehn Gründungsmitgliedern aus der Wirtschaft suchte an alte Traditionen des Mäzenatentums anzuknüpfen und moderne österreichische Kunst zu unterstützen. (Darin bildeten sie ein Pendent zum Kulturkreis der deutschen Wirtschaft im Bundesverband der Deutschen Industrie e.V., der sich 1951 gründete.) Sie verstanden sich als unabhängige, von der Wirtschaft getragene Institution, die sich keiner weltanschaulichen oder künstlerischen Tradition verpflichtet fühlte. Man wollte vor allem jenes Vakuum füllen, das in Österreich durch Ausfall privaten Mäzenatentums nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden ist.

Mit der im Rahmen der Festwochen 1955 geplanten großen internationalen Ausstellung 10 Jahre Malerei und Plastik in Österreich trat das Institut zur Förderung der Künste in Österreich zum ersten Mal als Veranstalter in Erscheinung. Von der Presse wurde diese Premiere privaten Mäzenatentums positiv hervorgehoben. Absicht der Ausstellung war es, verschiedenste Stilrichtungen zu zeigen und einen Einblick in die Vielfalt österreichischer Kunst zu geben. Vierzehn Künstlerinnen und Künstler wurden prämiert, und das Institut zur Förderung der Künste in Österreich kaufte Werke an. Zu einem Eklat mit der Gesellschaft bildender Künstler Wiens kam es, weil von 117 vertretenen österreichischen Künstlerinnen und Künstlern nur neunzehn Mitglieder des Künstlerhauses eingeladen wurden; die anderen waren ausjuriert worden. Zehn Tage nach der Eröffnung der Festwochenausstellung zeigte die Gesellschaft bildender Künstler Wiens parallel, aber räumlich getrennt unter dem Titel Bilder, Studien, Plastiken die abgelehnten Werke. Die Zusammenarbeit mit dem Institut zur Förderung der Künste in Österreich war damit beendet.

Um den Anteil an Eigenmitteln für die Hausrenovierung aufzubringen, wurde rund fünfzig Jahre später, am 9. Juni 2004 WINK – Wirtschafts Initiative Neues Künstlerhaus gegründet. WINK ist ein unabhängiger Verein mit einem prominent besetzten Vorstand. Diesem gehören Beppo Mauhart (früher Generaldirektor Austria Tabak), Thomas Jozseffi, (Generaldirektor der Österreichischen Salinen AG), Norbert Zimmermann (Generaldirektor Berndorf AG), Siegfried Menz (Vorstandsvorsitzender Ottakringer Brauerei) und Karl Stoss (Vorstandsdirektor der Generali Versicherung) an. Alleiniger Vereinszweck ist die Erwirtschaftung von Geld für die Sanierung des Künstlerhauses. Die Werbestrategie setzte zunächst auf Schockeffekte: So wurden Broschüren und Postkarten versandt, die den ruinösen Zustand des Hauses zeigten. Nach der Genehmigung und Errichtung eines vermarktungsfähigen Schutzgerüstes und nach Abschluss einer professionellen Vermarktungspartnerschaft (ISPA) machte die Generali Versicherung den Auftakt einer Reihe von Werbeschaltungen an der Fassade. Der Anspruch, mit einer „künstlerisch gestalteten Werbelinie“ aufzutreten – im Prinzip Werbung mit Konterfeis der Künstlerhausmitglieder C.L. Attersee und Hermann Nitsch – wurde später aufgegeben. Die Großunternehmen zeigten keine Bereitschaft, unternehmensinterne Werbelinien zu verändern. Zwischen 2006 und 2014 gelang es WINK, rund 2 Millionen Euro zu erwirtschaften. Zu diesem Erfolg trugen auch zwei gesellschaftliche Veranstaltungen, die „Artie Parties“, bei. In deren Rahmen stellten Mitglieder des Hauses eigene Werke zur Versteigerung zur Verfügung.

1999 hatte die Stadt Wien einen Architektenwettbewerb zur Nutzung des Karlsplatzes durchgeführt, den Christian Jabornegg und András Pálffy für sich entschieden hatten. WINK ließ den Entwurf des damals nicht realisierten Vorhabens von Jabornegg & Pálffy, nun in Kooperation mit Adolf Krischanitz, überarbeiten und präsentierte ihn 2010: Zwei Glaskuben mit separaten Eingängen für verschiedene Nutzer sollten seitlich vor Kino und Theater gesetzt werden. Der Haupteingang im alten Gebäude war für Sonderveranstaltungen vorgesehen.

Quellen: Aktennotiz, 19.05.04 Betrifft: WINK, Besprechung vom 12.05.04; Protokolle der Vorstandssitzungen, 15.04.2004 und 16. 06.2004; Presseinformation zu WINK, 2004; Schreiben von Beppo Mauhart an den Präsidenten des Künstlerhauses, 04.10.2004, Jahresbericht 2006; Umgewidmet. Bilder fördern Bilder, Ausst.Kat., Hg. Kulturkreis der deutschen Wirtschaft im BDI e.V., Köln 1996; Mappe für Pressekonferenz, WINK, Ein Angebot der Vielfalt, 15.07.2010; Gespräch mit Beppo Mauhart, 03.04.2014
Aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes wurde auf die Angabe von Namen verzichtet und nur das Dokument vermerkt. Alle Quellen stammen aus dem Archiv des Künstlerhauses.

10 Jahre Malerei und Plastik in Österreich, Ausstellungsplakat, A0, 1955
10 Jahre Malerei und Plastik in Österreich, Ausstellungsplakat, A0, 1955
WINK, Künstlerhaus-Einrüstung, 2006
WINK, Künstlerhaus-Einrüstung, 2006