9 Mio. | Staatliche Subventionen (in Schilling, 1978)

Subventionen

„Ziel ist, auf keine Förderung der öffentlichen Hand angewiesen zu sein.“ Aus: Fachsektionssitzung der Sektion 4, 24.1.2000

Nach 1918 wurde die finanzielle Lage der Genossenschaft unübersehbar prekär. Verkäufe brachen weg, die Einnahmen aus den Mitgliedsbeiträgen sanken. Subventionen flossen – wenn überhaupt – spärlich und punktuell. Vor das Problem einer notwendigen Modernisierung des Hauses gestellt, wurde in Erwägung gezogen, gegen einen finanziellen Beitrag der Kommune Ausstellungsmöglichkeiten für die Stadt zu schaffen.

Die Finanzierungsprobleme entschärften sich erst zwischen 1938 und 1945, da die nationalsozialistische Kulturpolitik verstärkt auf das Künstlerhaus setzte. Ein regelmäßiger Jahresetat sowie hohe Zuwendungen für Sanierungen am Haus und für Ausstellungen, zahlreiche Kunstaufträge, aber auch Kunstankäufe erlaubten eine wirtschaftlich komfortable Führung des Hauses. Im Gegenzug wurde die ab 1939 mit der Secession vereinigte Genossenschaft, nun Gesellschaft bildender Künstler Wiens, nationalsozialistischen Maßgaben unterworfen und das Künstlerhaus zum wichtigen Austragungsort propagandistischer Ausstellungen. Jüdische Mitglieder wurden aus der Künstlervereinigung ausgeschlossen.

In der Nachkriegszeit stellte sich mit den Fragen nach der Rolle der Gesellschaft bildender Künstler Wiens im Nationalsozialismus die Notwendigkeit der Subventionierung dringlicher denn je. Erneut betonte man die gesellschaftliche Bedeutung der Künstlervereinigung und ihre beträchtliche finanzielle und ideelle Eigenleistung. Doch es sollte einige Jahre dauern, bis die Subventionen zur baulichen Sanierung genauso wie Vermietungen an das Kulturamt der Stadt Wien langsam, aber kontinuierlich anstiegen. Da Verhandlungen über eine dauerhafte Grundsubvention zunächst abgelehnt wurden, bot es sich an, von der Gemeinde Wien initiierte Ausstellungen zu nutzen, um damit auch Betriebs- und Verwaltungskosten des Künstlerhauses zu decken. Die Abhängigkeit von staatlicher Förderung stimulierte jedoch auch sehr bald ein Nachdenken über Alternativen und befeuerte Diskussionen über das Verhältnis von Öffentlich und Privat. In den 1960er Jahren schienen Neubauprojekte, vor allem Karl Schwanzers anvisierte Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Immobilieninvestor Collins Tuttle International Inc., eine Chance zu bieten, sich aus der öffentlichen Hand zu befreien.

Anfang der 1970er Jahre geriet man in eine lange nachwirkende finanzielle Schieflage: die Kosten für Ausstellungen stiegen an, die Einnahmen aus Verpachtung, Vermietung und Kino gingen zurück. Die Verluste summierten sich über mehrere Jahre, und die Aufwendungen blieben konstant höher als erwartet. 1977 musste dann der Ausgleich angemeldet werden. Im März 1978 wurden den Gläubigern erfolgreich Ausgleichszahlungen angeboten und auf diese Weise konnten alle Forderungen abgedeckt werden.

Präsident Hans Mayr setzte nach dem Ausgleich vor allem auf Großausstellungen und hierbei sowohl auf internationale Zusammenarbeit als auch auf Kooperationen mit staatlichen Stellen. Dabei beabsichtigte er, die Betriebskosten des Hauses auf die Vermietungen umzulegen und auf diese Weise Entlastung zu schaffen. 1983 unterzeichnete man schließlich einen Vertrag mit dem Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung, der dessen Nutzung des Künstlerhauses an neunzig Tagen im Jahr vorsah. Im Rahmen internationaler Kulturabkommen kooperierte man außerdem mit dem Bundesministerium für Unterricht und Kunst.

Mit der Gründung der Ges.m.b.H. 1985 wollte man die Beziehungen zu Stadt und Bund auf eine neue Ebene stellen und nicht länger um Subventionen bitten, sondern als ein Geschäftspartner auf Augenhöhe über Vermietungen verhandeln. Doch de facto konnte diese Trennung nicht aufrechterhalten werden, auch weil die geforderte Tagesmiete für die öffentliche Hand zu hoch war. So einigte man sich auf einen geringeren Betrag pro Tag und beglich den Rest über Subventionen.

In den 1990er Jahren wurde ein weiterer Befreiungsschlag unternommen, indem man verstärkt auf das Engagement privater Sammler setzte. Anfang 2000 spitzte sich die Subventionsproblematik erneut zu, als es um die Sanierung des Hauses ging. Der Vorschlag, dass sich Bund, Stadt und Künstlerhaus (über WINK) zu je einem Drittel die Kosten teilen, scheiterte 2004 an der mangelnden Bereitschaft des Bundes.

Quellen: Protokoll Jahreshauptversammlung, 11.11.1925; Protokoll der Ausschuss-Sitzung, 8. Jänner 1926; Bericht über Gebarung 1945; Protokoll der Jahreshauptversammlung, 16.12.1949; Protokoll der Fachsektionssitzung der Architekten, 18.03.1977; Aktenvermerk über Besprechung mit Frau Vizebürgermeisterin G. Fröhlich-Sandner, 24.03.1977; Protokoll der ordentlichen Hauptversammlung am 25.03.1977; Protokoll von der Sitzung des Kuratoriums, 05.09.1977; Bericht des Präsidenten, Ordentliche Hauptversammlung, 21.03.1983; Protokoll zur Ordentlichen Hauptversammlung, 18.09.1984; Protokoll zur Sitzung des Vorstands, 03.05.1985; Protokoll der Ordentlichen Hauptversammlung, 25.10.1988; Resolution an das Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur und an das Bundeskanzleramt, 04.09.2001; Protokolle der Vorstandssitzungen, 10.02.2004 und 15.04.2004; Schreiben von Beppo Mauhart an den Präsidenten des Künstlerhauses, 04.10.2004; Gespräch mit Beppo Mauhart, 03.04.2014
Aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes wurde auf die Angabe von Namen verzichtet und nur das Dokument vermerkt. Alle Quellen stammen aus dem Archiv des Künstlerhauses.

Künstlerhaus: Jetzt soll Staat helfen!, Express, 10. September 1966
Künstlerhaus: Jetzt soll Staat helfen!, Express, 10. September 1966