1.903.000 | Errichtungskosten (in Schilling) des Künstlerhaus-Filmtheaters (1949)

Zinshäuser und Kino

„Mit unserem Haus sind wir eben Hausbesitzer, nur können wir unsere Erhaltungskosten auf niemanden abwälzen. Für jede Reparatur – ob Dach, Clo – für alles müssen wir selbst aufkommen. Mit den Festen und dem Kino werden wir zu Unternehmern – und als solche bis zum weißblutigsten besteuert. Niemand der Maßgebenden denkt aber daran, daß wir der Stadt Wien mit unserem Haus, den Ausstellungen, ihren repräsentativen Eröffnungen ein großstädtisches Gepräge geben, daß man mit einer Verhinderung unserer Feste, die heute bereits eine Fremdenverkehrsattraktion sind, durch Übersteuerung der Verkrähwinkelung Wiens wieder einen Schritt näherrücken würde.“ Aus: Protokoll Jahreshauptversammlung, 2.6.1953

1926 wurde – unter dem Druck schwieriger wirtschaftlicher Verhältnisse – ein Wettbewerb ausgeschrieben, der erstmals die kommerzielle Nutzung des Gebäudes verfolgte. Es sollten Vorschläge für die Unterteilung des Französischen und Deutschen Saals, den Einbau eines Kinos und eines Restaurants gemacht werden, um einerseits Einnahmen zu generieren und andererseits mehr Besucherinnen und Besucher anzulocken. Denn vor allem der Kino-Besuch galt damals als eine der beliebtesten Freizeitattraktionen. Aus den Entwürfen ragte einer von zwei Vorschlägen der Architekten Kaym & Hetmanek heraus, und er setzte auf eine vollkommen andere Lösung: Der Plan sah zwei sechsgeschossige Wohnblocks links und rechts des Künstlerhauses vor; der alte Bau sollte mit Platten verkleidet architektonisch angeglichen werden. Eine rückwirkende Steuerforderung seitens der Stadt Wien reduzierte die Baurücklagen empfindlich. Trotz weiterer Versuche in den 1930er Jahren, konkreter Ideen zur Finanzierung und eines geeigneten Bauträgers (Allgemeine Porr AG) musste der Umbau des Hauses aufgegeben werden. Im Zuge dieser Diskussionen und konkreter Vorbereitungen erreichte man jedoch am 26. Juni 1931 die Löschung des 1865 vertraglich vereinbarten Servituts, das eine rein künstlerische Nutzung vorsah und somit der gewünschten kommerziellen Verbauung im Wege stand.

Nach 1945 griff man auf die Idee, ein Kino zu betreiben, zurück. Nach mehreren Anläufen und einigen Zugeständnissen, etwa nur künstlerisch „wertvolle“ Filme zu zeigen, erhielt man die angestrebte Konzession. Und so konnte der damalige Hausarchitekt des Künstlerhauses, Alfons Hetmanek, zwischen 1947 und 1949 den vormals Deutschen Saal zum „Filmtheater Künstlerhaus“ umbauen. Den Haupteingang, der durch einen Vorbau erweitert wurde, verlegte man in die Akademiestraße.

Da das Künstlerhaus nach dem Krieg über keine eigenen Kapitalreserven verfügte, wollte man den Kinobau durch einen Kredit in der Höhe von einer Million Schilling finanzieren. Nach einer turbulenten Bauphase (der Fertigstellungstermin wurde wiederholt verschoben), Fehleinschätzungen von Seiten des ausführenden Architekten Hetmanek und der daraus resultierenden Abgabe der Bauführung an Architekt Jaksch lagen die Baukosten final bedeutend höher als geplant, nämlich bei 1.903.000 Schilling.

Die Ausstattung des Kinos wurde von Künstlerhaus-Mitgliedern nach einem intern ausgelobten Wettbewerb übernommen: die Sgraffitos im Außenraum stammen von Leopold Schmid, die Wandmalereien im Kassenraum übernahm Rudolf Pleban, die Leinwandbilder im Zuschauersaal fertigten Rudolf Hermann Eisenmenger und Rudolf Holzinger, ergänzt durch Rudolf Schmidts Stuckreliefs und Lichtblenden von Ferdinand Opitz und Erich Pieler. Des Weiteren waren Alfons Riedel (mit Mahagonimasken) und Carlos Riefel (mit Blumenbildern an der Eingangstür zur Mittelloge) für die Ausgestaltung verantwortlich.

Die feierliche Eröffnung fand am 14. Jänner 1949 statt, und der reguläre Spielbetrieb wurde einen Tag später mit vier Vorführungen täglich aufgenommen. In den 1950er und frühen 1960er Jahren gelang es sogar, mit den Einnahmen aus dem Kino substanziell zum Programm der Künstlervereinigung beizutragen. Dennoch operierte das Kino nicht nach rein kommerziellen Gesichtspunkten, dies war schließlich Bedingung der Konzession. Mit Leopold Hauer als Programmleiter konnte der Spagat zwischen der Notwendigkeit, Geld einzunehmen, und dem Anspruch eines künstlerisch wertvollen Programms über viele Jahre überzeugend umgesetzt werden. Auch als in den 1960er Jahren ein erster Besucherschwund einsetzte und wenn das Kino seitdem mal mehr oder weniger erfolgreich war, trug es wesentlich zur Finanzierung des Hauses bei. 1997 erwog man die zusätzliche Einrichtung eines Studiokinos, auch als Alternative im Rahmen der Viennale bzw. Diagonale. Seit 2013 wird das Kino vom Stadtkino bespielt, das nach Auflösung der kiba (Kinobetriebsanstalt Ges.m.b.H.), einem ursprünglich gemeindeeigenen Unternehmen, seit 2001 vom Verein Viennale betrieben wird.

Quellen: Protokoll der Ausschuss-Sitzung, 20.07.1926; Protokoll der Ausschuss-Sitzung, 08. 01.1926; Schreiben der Polizeidirektion Wien, 14.07.1926; Protokoll über die Jahres-Hauptversammlung, 09.06.1947; Plenarversammlung, 14.10.1947; Bericht für die Generalversammlung, 23.06.1951; Gesprächsprotokoll, Mitglieder des Ausstellungskomitées, 10.07.1997
Aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes wurde auf die Angabe von Namen verzichtet und nur das Dokument vermerkt. Alle Quellen stammen aus dem Archiv des Künstlerhauses.

Künstlerhaus-Filmtheater (Fotograf unbekannt), 1952
Künstlerhaus-Filmtheater (Fotograf unbekannt), 1952
Künstlerhaus-Filmtheater (Fotograf unbekannt), 1952
Franz Hetmanek & Alfons Kaym, Projekt für den Ausbau des Künstlerhauses, 1926 © architekturzentrum wien
Franz Hetmanek & Alfons Kaym, Projekt für den Ausbau des Künstlerhauses, 1926 © architekturzentrum wien
Künstlerhaus-Kino eröffnet, Wiener Illustrierte, 22. Jan. 1949
Künstlerhaus-Kino eröffnet, Wiener Illustrierte, 22. Jan. 1949