563.877,– | Errichtungskosten des Künstlerhauses (in Gulden)

Das Künstlerhaus

„Es waren keine geeigneten Räume vorhanden. Die Wahrheit bestätigt einen Blick auf die finsteren zu Wohnungen bestimmten Räume des öst. Kunstvereines, deren nicht einer groß genug ist um ein Bild größerer Dimensionen auszustellen.“ Aus: Über die Entstehung des Künstlerhauses, Vortrag, 9.12.1864

Das Künstlerhaus wurde zwischen 1865 und 1868 nach Plänen von August Weber gebaut, nachdem die Genossenschaft zuvor auf kaiserliche Anordnung ein Grundstück zur Errichtung des neuen Hauses erhalten hatte. Die Eigentumsübertragung, vertraglich abgeschlossen am 27. Juli 1865 zwischen k.k. oest. Finanz Prokuratur und Genossenschaft, legte eine ausschließlich künstlerische Nutzung fest. Ferner wurde im Vertrag der k.k. Akademie der bildenden Künste die Möglichkeit eingeräumt, im dreijährigen Rhythmus Staatsausstellungen im Künstlerhaus durchzuführen. Zur weiteren Erleichterung war die Genossenschaft für zehn Jahre von den Gemeindeabgaben für das Gebäude befreit.

Der Realisierung des Gebäudes lag ein ausgeklügelter Finanzierungsplan zugrunde, den Künstlerhausmitglied Friedrich Stache als Vorsitzender des „Finanz Komitees“ entwickelte. Dieser sah zunächst eine Mischfinanzierung vor: Eine Hälfte der Bausumme sollte aus Mitteln der Staatslotterie kommen, die andere Hälfte von privaten Unterstützern eingeworben werden. Je nach Höhe der zur Verfügung gestellten Summe konnte man entweder als „Stifter“ oder als „Gründer“ den Bau des neuen Gebäudes fördern. Auch Ratenzahlungen über mehrere Jahre waren möglich. Das Kapital wurde als eine Art zinsloses Darlehen betrachtet, das man im Laufe von zwanzig bis dreißig Jahren mit Kunstwerken zurückzahlen wollte. Über zehn Jahre in Folge verloste man auch Kunstwerke. Den Stiftern setzte man mit Porträtbildern, die die Künstler-Mitglieder malten, ein Denkmal, die Namen der Gründer, deren Beiträge geringer waren, wurden in Marmortafeln eingraviert.

Auch wenn eine brauchbare Bausumme vergleichsweise schnell über Stifter und Gründer zusammenkam, blieben die Möglichkeiten hinter Webers ursprünglichen Plänen zurück. Der Staat hatte schließlich eine Beteiligung an den Baukosten abgelehnt. So wurde auf ausschmückende Details und vor allem auf eine zweite Etage, in der mehrere Künstlerateliers mit kleinen Wohnungen hätten untergebracht werden sollen, verzichtet. Webers Entwurf musste fünf Mal verändert werden – nicht zuletzt wegen der hohen Baukosten. Das heißt, das Gebäude ist selbst ein Ausdruck von Sparsamkeit, auch wenn die Erwartungen an das Gebäude und seine Funktionen nach wie vor enorm waren: Neben Ausstellungen sollte es Räume für Versammlungen, Feste und geselliges Beisammensein geben. Einige Jahre nach der Fertigstellung tauchten Überlegungen zur baulichen Erweiterung auf. Diese erfolgte 1881/1882 in Vorbereitung der Ersten Internationalen Kunstausstellung durch die Architekten Andreas Streit und Friedrich Schachner. Damals entstanden die seitlichen Anbauten des Deutschen und des Französischen Saals.

Quellen: Walther Maria Neuwirth, Vor hundert Jahren: Schluss-Stein am Wiener Künstlerhaus, in: alte und moderne kunst 87, Heft 100, 1968; Wladimir Aichelburg, Das Wiener Künstlerhaus, 1861–1986, Wien 1986; Wladimir Aichelburg, Die Künstlergenossenschaft und ihre Rivalen Secession und Hagenbund (Das Wiener Künstlerhaus 1861–2001, Bd. 1), Wien 2003, S. 45ff und 65ff; Hausakten, Baugeschichte, Jahresmappen, 1860–1918, Karton 1; Brief von August Weber an die Genossenschaft der bildenden Künstler vom 16. Juni 1862; Hausakten, Baugeschichte, Jahresmappen 1860–1918: Konkurs-Ausschreibung, Bauprogramm, 04.06.1861; Über die Entstehung des Künstlerhauses, Vortrag von Friedrich Stache am 9. Dezember 1864; Das Wiener Künstlerhaus, Selbstverlag der Künstler-Genossenschaft, 1866 http://www.wladimir-aichelburg.at/kuenstlerhaus/mitglieder/
Aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes wurde auf die Angabe von Namen verzichtet und nur das Dokument vermerkt. Alle Quellen stammen aus dem Archiv des Künstlerhauses.

August Weber, Das Künstlerhaus (Süd- und Nordseite), aus: Broschüre Wiener Künstlerhaus, 1866
August Weber, Das Künstlerhaus (Süd- und Nordseite), aus: Broschüre Wiener Künstlerhaus, 1866
August Weber, Das Künstlerhaus (Süd- und Nordseite), aus: Broschüre Wiener Künstlerhaus, 1866
August Weber, Grundriss (Parterre und erster Stock) des Künstlerhauses, in: Genossenschaft der bildenden Künstler Wiens (Hg.), Das Wiener Künstlerhaus, Wien 1866
August Weber, Grundriss (Parterre und erster Stock) des Künstlerhauses, in: Genossenschaft der bildenden Künstler Wiens (Hg.), Das Wiener Künstlerhaus, Wien 1866
Einladungskarte zur feierlichen Schlusssteinlegung des Künstlerhauses, 1. September 1868
Einladungskarte zur feierlichen Schlusssteinlegung des Künstlerhauses, 1. September 1868