180.000,- | Miete (in Schilling) für den Französischen Saal (1972)

Das Theater

„Im heutigen Kulturbetrieb ist die Beziehung zwischen Konsumenten und Produzenten nicht mehr von vorneherein definiert, sondern bildet einen wesentlichen Gestaltungsfaktor in der jeweiligen konkreten Produktion.“ Aus: Projektbericht: „Die Komödianten im Künstlerhaus“, von Atelier 21, o. J

Bereits in den 1920er Jahren begann man  – auf der Suche nach Einnahmequellen –  die Möglichkeit, ein Kino und Theater einzurichten, zu sondieren und konkrete Nutzungsoptionen durchzuspielen. 1936 eröffnete dann für zwei Wochen eine Kleinbühne im Künstlerhaus. Zwischen Ende 1957 und Anfang 1967 beherbergte das Künstlerhaus die erfolgreiche „Fadenbühne“, das Marionettentheater des Ehepaars Picca und Arminio Rothstein. Aber erst Anfang der 1970er Jahre tat sich mit dem Einbau des Theaters in den vormals Französischen Saal eine stabile und langfristige Einnahmequelle ähnlich der des 1949 eröffneten Kinos auf. Das Atelier 21 der Architekten Khosrow Djafar-Zadeh und Norbert Polak errichtete einen flexiblen Aufführungsraum mit Nebenräumen für 250 Personen, der den Ansprüchen des experimentellen Theaters der Zeit folgte und unter anderem Guckkastenbühne, Arena, Laufstegtheater, Simultanbühnen, Raumrundtheater und Spielgerüste ermöglichte. Auch sollte der Platz vor dem Theater in das Programm miteinbezogen und Proben öffentlich gezeigt werden.

Die Vermietung an den Wiener Kunstverein erfolgte 1972 vorerst auf fünfzehn Jahre. Hinter dieser komplizierten Konstruktion – die Gesellschaft bildender Künstler Wiens vermietet an den Wiener Kunstverein – stand de facto die Gemeinde Wien, die aus rechtlichen Gründen nicht direkt mieten konnte, aber Interesse daran hatte, das „Theater der Komödianten im Künstlerhaus“, unter Leitung von Conny Meyer, dort unterzubringen. Aufgrund einer Reihe von baulichen Verzögerungen konnte das Theater jedoch erst am 4. April 1974 eröffnet werden. 1985 lösten sich die Komödianten auf, und das Theater wurde freien Gruppen zur Verfügung gestellt. Seit 2007 ist das brut Wien, ein Koproduktionshaus und eine Spielstätte für die freie österreichische und internationale Theater-, Performance- und Tanzszene, an diesem Ort untergebracht.

Quellen: Protokolle über Sitzungen des Leitenden Ausschusses, 19.04.1971, 16.10.1971, 12.01.1972 und 16.02.1972; Interview mit Conny Hannes Meyer, in: Die Furche, 10.07.1971; Ein Dach für „Komödianten“, in: Kurier, 14.07.1971; Projektbericht: „Die Komödianten im Künstlerhaus“, von Atelier 21, o. J.
http://www.wladimir-aichelburg.at/kuenstlerhaus/historische-beitraege/theater/
Aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes wurde auf die Angabe von Namen verzichtet und nur das Dokument vermerkt. Alle Quellen stammen aus dem Archiv des Künstlerhauses.

Brecht gab uns die Methode, Die Furche, 10. Juli 1971
Brecht gab uns die Methode, Die Furche, 10. Juli 1971
Varianten von Spielmöglichkeiten o. J.
Varianten von Spielmöglichkeiten o. J.