2,5%–17% | Provisionen für Verkäufe aus den Ausstellungen

Die Verkaufsausstellungen

„Für das Haus ist der Verkauf eine Grundbedingung. Das Haus muss lebensfähig erhalten werden und die prozentuellen Einhebungen bei Verkäufen sind der Hauptbestandteil zur Deckung der großen Regien des Hauses.“ Aus: Protokoll der Ausschuss-Sitzung, 24.10.1922

1868 wurden die ersten Ausstellungs-Richtlinien für das Haus erarbeitet: Geplant war – neben den unregelmäßig stattfindenden internationalen Ausstellungen – eine jährliche große Überblicksausstellung, die Einblick in das künstlerische Schaffen der Mitglieder geben sollte. Zur Finanzierung der Ausstellungen gründete man einen Ausstellungsfonds und die Organisation der Hausausstellungen übernahm ein ehrenamtlich wirkendes Ausstellungskomitee. Neben diesem Vorhaben sollte ein Saal „permanent“ offen gehalten werden, um kurzfristig verfügbare Werke zu zeigen und zu verkaufen. Aus den Einlaufbüchern (die den Eingang von Kunstwerken notierten) geht hervor, dass in der Permanenten Ausstellung nicht nur Mitglieder, sondern auch private Sammler, Künstlerwitwen, Kunstfreunde und Kunsthändler, Kunstwerke zum Verkauf bringen konnten. Grundsätzlich wurden Werke in zwei Preiskategorien angeboten: Der Katalogpreis war offiziell ausgezeichnet, während der Vertrauenspreis lediglich eine Untergrenze festhielt, die bei den meist vom Sekretär der Genossenschaft geführten Kaufverhandlungen nicht unterschritten werden durfte.

Der kommerzielle Erfolg der Permanenten Ausstellungen hatte vermutlich vor allem mit dem schnellen Wechsel und dem Nachschub der Werke zu tun. Teilweise konnte dieser Ausstellungstypus sogar größere Gewinne als die Jahresausstellungen verbuchen, aus denen ebenfalls verkauft wurde. Neben den Mitgliedsbeiträgen, Eintrittsgeldern und Katalogverkäufen bildeten die Provisionen der Verkäufe (von Mitgliedern und Nicht-Mitgliedern) über viele Jahrzehnte die wichtigste Einnahmequelle, auch wenn diese gewissen Schwankungen unterworfen waren: von 2, 5 Prozent bis 17 Prozent (5 bis 25 Prozent für Nicht-Mitglieder).

Im Herbst 1914 – das Künstlerhaus war zum Lazarett umfunktioniert worden – entwickelten A.H. Schram und Oswald Grill die Idee der Atelierschau, um den Mitgliedern auch während der Kriegszeit Verkäufe zu ermöglichen. Mit einem Katalogführer beworben, öffneten Künstler an bestimmten Tagen ihre Ateliers für das interessierte Publikum. Aufgrund des Erfolgs wiederholte man die Atelierschau einige Male. Nach dem Ende der Monarchie nahmen die Verkäufe rapide ab, auch wenn es in der Zeit des Nationalsozialismus erneut zu einem deutlichen Aufschwung kam. Danach gingen die Verkäufe weiter zurück. Daran änderten auch die erfolgreich durch Kulturstadtrat Hans Mandl 1950 initiierten und vom Kulturamt Wien durchgeführten Verkaufsausstellungen Das gute Bild für jeden nichts, welche Kunstwerke nicht teurer als 300 Schilling anboten und die bis 1974 jeweils im Künstlerhaus oder der Secession stattfanden. Zu einem letzten durchschlagenden Verkaufserfolg wurde die 1973 gezeigte Carlos-Riefel-Ausstellung im Künstlerhaus. Fast die gesamte Ausstellung war ausverkauft. Die Passagegalerie mit ihren zusätzlich geschaffenen Ausstellungsräumen im Souterrain des Künstlerhauses eröffnete 1980, und neun Jahre darauf entstand die Idee, sie zur Verkaufsgalerie für die sogenannte „vierte Sektion“ (angewandte Kunst) umzufunktionieren. Doch schon nach einem Jahr wurde dieses Vorhaben mangels Erfolgs eingestellt. Heute vermittelt das Künstlerhaus keine Verkäufe mehr.

Quellen: Einlaufbücher 1868; Ausstellungen, 1869–73; Katalog III. Deutsche Kunst-Ausstellung; Kataloge permanente Ausstellungen, 1869; Katalog der IV. grossen Jahres-Ausstellung, 1872, Karton: 3; Protokoll der Hauptversammlung am 07.11.1868; Katalog Atelierschau, 1914/15; Protokoll der Ausschuss-Sitzung, 24.04.1920; Protokoll der Ausschuss-Sitzung 4. März 1920; Protokoll der Ausschuss-Sitzung, 24. Oktober 1922; Protokoll Ausschuss-Sitzung, 28.03.1923; Protokoll der Ausstellungskommission, 30.08.1950; Protokoll Jahreshauptversammlung, 02.06.1953; Protokoll der Sitzung des Vorstandes, 07.05.1980; Protokoll der Fachsektionssitzungen der Sektion IV, 27.01.1989 und 26.06.1990
http://www.wladimir-aichelburg.at/kuenstlerhaus/einlaufbuecher-der-kunstwerke/; http://www.wladimir-aichelburg.at/kuenstlerhaus/ausstellungen/
Aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes wurde auf die Angabe von Namen verzichtet und nur das Dokument vermerkt. Alle Quellen stammen aus dem Archiv des Künstlerhauses.

Anmeldung zur permanenten Ausstellung, 1875
Anmeldung zur permanenten Ausstellung, 1875
Die historische Porträt-Ausstellung im Wiener-Künstlerhause, Nach der Natur gezeichnet von L. v. Frecskay, Neue Illustrierte Zeitung, Nummer 16, 1. Band 1881
Die historische Porträt-Ausstellung im Wiener-Künstlerhause, Nach der Natur gezeichnet von L. v. Frecskay, Neue Illustrierte Zeitung, Nummer 16, 1. Band 1881
Das gute Bild für jeden, Ausstellungsposter, A0, 1950 / 51
Das gute Bild für jeden, Ausstellungsposter, A0, 1950 / 51
A.H. Schram und Oswald Grill, Atelierschau, Katalog, Wien 1914-15
A.H. Schram und Oswald Grill, Atelierschau, Katalog, Wien 1914-15