2,5 Millionen | Ankauf von Kunstwerken (in Mio. Schilling) durch die Künstlerhaus-Ges.m.b.H. (1985)

Verkäufe aus der Haussammlung

„Um die Investitionen zu finanzieren, gibt es für das Künstlerhaus zwei Wege: 1.) entweder wir verkaufen dieses Bild, das ja in Wirklichkeit ohnehin schon aus dem Gedächtnis verschwunden ist, das uns nichts nützt oder 2.) wir können wieder ein Darlehen aufnehmen, was allerdings Zinsen kostet und das uns belasten würde, was angesichts der hohen laufenden Regien ungünstig wäre.“ Aus: Protokoll über die ausserordentliche Hauptversammlung, 7.7.1970

Die hauseigene Sammlung der Genossenschaft und späteren Gesellschaft setzte sich aus Schenkungen, Legaten, Ankäufen und Werken, die nach Ausstellungen nicht mehr abgeholt wurden, zusammen. Immer wieder wurden Kunstwerke aus diesem Bestand verkauft, wie etwa 1919 das Aquarell Titusbogen in Rom von Rudolf von Alt, 25 Blätter aus dem Ranftl-Nachlass im Jahr 1965 oder 1971 Franz Anton Maulbertschs Bild Mariae Himmelfahrt.

Die Käufer waren Kunsthändler, aber auch öffentliche Museen. Meist tätigte man Verkäufe, um Investitionen zu ermöglichen, aber auch aus Gründen der nicht optimalen Lagerung im Haus erwog man immer wieder, die Haussammlung zu verkaufen. Einen substanziellen Verlust an Beständen erlitt die Sammlung während des Zweiten Weltkriegs, als die Werke in Außendepots eingelagert werden mussten. Ein Teil der Kunstwerke wurde allerdings auch an ehrenamtlich Tätige verschenkt, denen man auf diese Weise Dank erweisen wollte.

Das erste Inventar hat sich aus dem Jahr 1889 erhalten. 1925 nahm man eine Inventur der gesamten Mobilien und Kunstwerke des Hauses vor. Besonders wertvolle Werke sollten durch Mitglieder restauriert und zur Ausschmückung der Räume des Künstlerhauses verwendet werden. 1943 wurde ein Inventar erstellt, das die Grundlage zur kriegsbedingten Auslagerung nach Schloss Albrechtsberg bildete. 1956 folgte die sogenannte „Entrümpelung“ des Souterrains und damit eine weitere Sichtung des Bestandes. 1967 begann der Archivar Walter M. Neuwirth, die Kunstsammlungen systematisch zu inventarisieren. Angeregt durch die sogenannte Sekundär-Galerie des Kunsthistorischen Museums wurde 1971 die Ausstellung Restbestände aus der alten Hausgalerie gezeigt. In diesem Titel tauchte bereits der Hinweis auf, dass es sich nur mehr um eine Rumpfsammlung handelte. Nichtsdestotrotz sollte die Ausstellung 1971 auch ein Appell an die Mitglieder sein, dem Haus weiterhin wertvolle Bilder zu widmen oder zu vererben. Die Ausstellung fand parallel zur umstrittenen Sexpo (Sexmesse) statt.

Im Rahmen eines fünfjährigen Forschungsauftrags kam es 1976 zu weiteren Sichtungen der Haussammlung. Hans Herbst, Chefexperte und Sachverständiger für den Kunsthandel im Dorotheum, schlug 1977 eine Übernahme der wertvollen Werke durch die öffentliche Hand und eine Versteigerung der restlichen Bestände vor. Vor allem im Zuge des Ausgleichsverfahrens 1977 wurde der Verkauf von wichtigen Werken aus der Sammlung öffentlich diskutiert, letztlich aber wieder verworfen. 1979 stellte man erneut Überlegungen an, die Sammlung als geschlossene Leihgabe zur professionellen Betreuung an ein Museum zu übergeben. 1981 tauchte die Idee auf, mit dem Verkauf einen Sozialfonds zugunsten der Mitglieder aufzubauen und das Kapital mündelsicher anzulegen. Eine neuerliche Bewertung der Kunstwerke erfolgte 1985 durch Rudolf Bachleitner und Marta Stamenov im Verlauf der Gründung der Künstlerhaus Ges.m.b.H. In diesem Jahr kaufte die Künstlerhaus-Ges.m.b.H. dem Künstlerhaus-Verein (der damaligen Rechtsform der Gesellschaft bildender Künstler Österreichs) Kunstwerke zu einem Fixpreis von 2.500.000 Schilling ab. Nach wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Ges.m.b.H. wurde dieser Bestand verkauft. Nach wie vor befinden sich einige Arbeiten im Depot des Künstlerhauses; eine neuerliche Sichtung steht aus. Einige der Stifterbilder konnten, nachdem sie 1991 ebenfalls verkauft worden waren, zurückerworben werden.

Quellen: Protokoll der Ausschuss-Sitzung, 06.02.1919; Protokoll der Ausschuss-Sitzung, 17.06.1925; Protokoll der Jahreshauptversammlung, 11.11.1925; Protokolle über die Sitzungen des Leitenden Ausschusses, 10.03.1965, 03.06.1970, 29.06.70, 28.01.1971 und 19.04.1971; Protokoll über die ausserordentliche Hauptversammlung, 07. 07. 1970; Protokoll über die Sitzung des Leitenden Ausschusses, 04. 02. 1976; Schreiben von Hans Herbert an Hans Mayr, 26.05.1977; Aus: Wiener Wirtschaft, 26.08.1977; Profil, 17.08.1977; Protokoll zur ausserordentlichen Hauptversammlung, 14.09.1979; Protokoll zur Fachsektionssitzung der Maler am 22.06.1981; Schreiben der Künstlerhaus GES.M.B.H. an das Finanzamt für Gebühren- und Verkehrssteuern, Abteilung Betriebsprüfung, mit Liste der geschätzten Kunstwerke, 08.10.1986; Gespräch mit Peter Bogner, 08.04.2014; Ausstellungsbeschreibung Restbestände aus der alten Hausgalerie, 1971, Ausstellungen, Alte Hausgalerie, 1971, Karton: 232
http://www.wladimir-aichelburg.at/kuenstlerhaus/historische-beitraege/kunstsammlungen/ Aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes wurde auf die Angabe von Namen verzichtet und nur das Dokument vermerkt. Alle Quellen stammen aus dem Archiv des Künstlerhauses.

Depot der Haussammlung (Fotograf unbekannt), 1988
Depot der Haussammlung (Fotograf unbekannt), 1988
Hans Mayr, Depot der Haussammlung, 1988
Hans Mayr, Depot der Haussammlung, 1988
Hans Mayr, Depot der Haussammlung, 1988