72,– / 25,- | Preise (in Schilling) für ein gebackenes Schweinsschnitzel mit Salat und einen Altwiener Apfelstrudel (1983)

Das Restaurant

„Herr Arbace ist der Ansicht, daß die Wiener sich nicht mehr den Strapazen einer Italienreise aussetzen müssen, weil sie alles, was ihnen Italien bietet, bei ihm im Ristorante bekommen können.“ Aus: Pressedienst des Wiener Künstlerhauses, Ristorante „GROTTA AZZURRA“

Das Restaurant entwickelte sich aus der Tradition der geselligen Abende. Nach Eröffnung des Künstlerhauses formierte sich bald die „Schützengilde der Genossenschaft bildender Künstler Wiens“. Diese veranstaltete im damals im Souterrain gelegenen Ranftlsaal ein wöchentliches Scheibenschießen, aus dem dann die sogenannte „Kneipe“ wurde. Nach dem Umbau durch Streit und Schachner 1881/82 entstanden eine Kegelbahn und der „Kegel-Club“. Bereits 1874 erhielt das Künstlerhaus eine Ausschank-Konzession. Zu diesem Zeitpunkt wurde – mit Schützenklub und Kegelbahn – eine Lokalität im Souterrain geführt, die auch Nicht-Mitgliedern zur Verfügung stand. Schon Ende des 19. Jahrhunderts konnte sie kostendeckend geführt werden, während die Casinowirtschaft ein Verlustgeschäft bedeutete. Das Restaurant wurde immer wieder um- und ausgebaut, die Pächter wechselten. Die Nutzung blieb im Wesentlichen auf das engere Umfeld des Künstlerhauses bzw. auf Gruppen, die die Räumlichkeiten regelmäßig nutzten, beschränkt. Als Libero Arbace 1956 die „Grotta Azzurra“ eröffnete, wurde das Lokal aufgrund der damaligen Italien-Begeisterung bei den Wienern beliebt. Den architektonischen Entwurf dafür übernahm Hausarchitekt Franz Peydl, die Ausstattung mit italienischen Motiven erfolgte durch Künstlerhaus-Mitglieder. In der Presse wurde die Eröffnung des Restaurants als besonderer Service für Ausstellungsbesucher positiv vermerkt.

Der „Grotta Azzurra“ folgte 1961 Pächter Bruno Kaldor mit dem „Lago di Garda“. Erich Zotter betrieb dann ab 1963 neben dem Restaurant „Palette“ ein Espresso, ein kleines Café. 1982 entschloss man sich, das Restaurant nicht mehr fremd zu verpachten, sondern als Betriebsgesellschaft zu führen. So gründete man die Casablanca-Restaurant-Betriebsgesellschaft mbH. & Co. KG – Gesellschafter waren Präsident Hans Mayr, Schatzmeister Rudolf Danzinger, Direktor Otto Staininger sowie ein Gastronom. Nachdem die Prüfbehörde angesichts der Multifunktionen der Beteiligten in Verein, Künstlerhaus-Ges.m.b.H. und Restaurant-Betriebsgesellschaft mbH. Bedenken anmeldete, übernahm 1985 die Mobasher GmbH das Restaurant. Der damalige Name „Palette“ wurde behalten, aber die Ausrichtung sollte sich von einem gehobenen Restaurant, wie von Zotter betrieben, zu einem „Künstlerlokal“ verschieben. Ausdruck dessen war die Paletten-Zeitung, die zugleich als Speise- und Getränkekarte diente und künstlerische Beiträge enthielt. Nach einem Intermezzo als Diskothek wurde das Lokal zwischen 1990 und 2003 als „Noodles & Co.“ geführt, weitere Wechsel der Betreiber folgten. Heute trägt das Restaurant den Namen „Bergstation“ und wird von der Tirol-Werbung unterstützt.

Die seit der Eröffnung des Künstlerhauses üblichen großen Ausstellungsbüffets wurden nach 1918 nur mehr sporadisch durchgeführt. Präsident Hans Mayr ließ diese Tradition jedoch wieder aufleben, die Casablanca-Restaurant-Betriebsgesellschaft mbH. & Co. KG übernahm das Büffet und behielt dieses auch, nachdem sie das Restaurant aufgeben musste. Die Auswahl des Angebotenen richtete sich nach dem Thema der jeweiligen Ausstellung: So gab es türkische Spezialitäten während der Ausstellung Die Türken vor Wien, 1983, und Wiener Mehlspeisen bei der Biedermeierausstellung 1987/1988. 1997 wurde das Kino-Büffet aus der Eigenverwaltung des Hauses ausgegliedert und verpachtet. Heute betreiben Ludwig & Adele das frühere Ausstellungsbüffet.

Quellen: Hausakten, Casino/Restaurant, 1939–60: Kein Museum ohne Büfett, Tagebuch, Wien, 30. Juni 1956; Karton: 29; Protokoll Leitender Ausschuss, 04. 03. 1955, Protokoll der Jahreshauptversammung, 24.11.1969; Protokoll der Sitzung des Vorstands, 25.02.1983; Schreiben des Kontrollamts der Stadt Wien, 28.02.1985; Protokoll der Vorstandssitzung, 12.06.1997; Wladimir Aichelburg, Die Künstlergenossenschaft und ihre Rivalen Secession und Hagenbund (Das Wiener Künstlerhaus 1861–2001, Bd. 1), Wien 2003, S. 255 http://www.wladimir-aichelburg.at/kuenstlerhaus/historische-beitraege/das-casino-und-das-restaurant/
Aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes wurde auf die Angabe von Namen verzichtet und nur das Dokument vermerkt. Alle Quellen stammen aus dem Archiv des Künstlerhauses.

Restaurant Palette, 1983
Restaurant Palette, 1983
Diapositiv-Kinowerbung (Entwurf), o.J. (Grotta Azzura: 1956–1961)
Diapositiv-Kinowerbung (Entwurf), o.J. (Grotta Azzura: 1956–1961)
Streichhölzer, o.J. (Noodles & Co.: 1990–2003)
Streichhölzer, o.J. (Noodles & Co.: 1990–2003)
Einladung zur Eröffnung der Discothek Pueblo, 24. Juni 1986
Einladung zur Eröffnung der Discothek Pueblo, 24. Juni 1986